EISKALT ERWISCHT

 

XT savalen

Endlich angekommen. Das Savalenhotel in Norwegen.

Norwegen im Winter

Die Savalenrally

„Wenn´s dem Esel zu langweilig wird , geht er aufs Eis“

Eines der härtesten Motorradtreffen  Europas waren damals und heute u. a. die Kristall-und die Savalenrally im Winter in Norwegen. Und zur Savalenrally hatten mein Kumpel Arne und ich uns angemeldet.

Er mit seiner BMW  R80 GS und ich mit der Yamaha XT 600 Tenere. Für uns als Norddeutsche war die Anfahrt mit der Fährlinie Color Line ideal, da sie direkt aus Kiel startete und bis in die norwegische Hauptstadt Oslo hineinfuhr.

Nachdem wir unsere Motorräder für die zu erwartenden winterlichen Bedingungen präpariert hatten( Arne hatte seine Gummikuh u.a. mit einer zweiten Batterie ausgestattet und sich ein beheizbares Visier für seinen Helm besorgt. Für meine Tenere hatte ich unterdessen  am Sturzbügel einen Gummischutz angebracht, der dafür sorgen sollte, das die Füsse etwas besser vor dem kalten Fahrtwind geschützt sind. Ausserdem  kaufte ich mir beheizbare Innenhandschuhe.)nun  konnte es also losgehen.

Bei ruhigem norddeutschen Schmuddelwetter, ohne Schnee, starteten wir aus Kiel. Und genossen die schaukelfreie Überfahrt bei einem Cocktail an der Bordbar. Am nächsten Morgen sollte  direkt am Fährterminal ein grosses Zelt stehen, wo die Möglichkeit bestand sein Fahrzeug mit Winterreifen und Spikes auszustatten.

Während des Einlaufens in den Oslofjord, es wurde nur ganz allmählich hell , bemerkten wir beim gemütlichen Frühstück das es doch auffallend stark schneite. Sehr stark schneite! Aber nach dem Anlegen mussten wir zunächst runter von der Fähre und das Zelt finden wo wir uns die scharfen Spikes reinschiessen lassen wollten. Aber weit und breit war kein Zelt mit einem  Reifenhändler zu sehen. Na, das fängt ja gut an.

Währendessen schneite es immer mehr. Wie wir später erfuhren, hatte es wohl seit einigen Jahren nicht mehr so viel in Oslo geschneit. Selbst die wintererprobten norwegischen Hauptstädter waren von diesen Megen etwas überrascht.

Nun galt es einen Reifenhändler ausfindig zu machen der uns weiterhelfen konnte, Nach einigem hin-und herfahren wurden wir schliesslich fündig. Als wir die Halle betraten konnte man fömlich sehen wie es in den Köpfen der Monteure arbeitete. “ Bei dem Wetter im Winter Motorrad fahren. Die haben sie doch nicht mehr alle. Grazy Germans“

Leider war das Profil meines Enduroreifens nicht mehr ausreichend stark genug, um die Löcher für die Spikes zu bohren, sodaß ich mir einen leider einen neuen kaufen musste. Während ich mich also um die Montage des neuen Reifens kümmerte , schaute Arne sich die riesige Halle mit den bis unter die Decke gestapelte Reifen an. Und mittendrin ein kleiner Asiate dessen Anzug schon die gleiche Farbe wie die Reifen hatte. Dieser war den ganzen Tag damit beschäftigt nichts anderes zu tun, als Löcher in die Reifen zu bohren und anschliesend mit den Spikes zu bestücken. Bis zu 200 Stück pro Reifen. Welch eine Aufgabe. Wahrscheinlich können dies nur Asiaten mit ihrer stoischen Gelassenheit. Nun hatten wir endlich die richtigen Sohlen für unsere Eisenpferde und wir konnten die nächste Station in Angriff nehmen. Dies war Kongsvinger, ca. 100km nordöstlich von Oslo,wo eine Freundin von mir wohnte und uns übernachten liess.

 Dieses Ziel musten wir unbedingt noch erreichen, dabei führte ich uns leider noch in die falsche Richtung, dies bemerkte ich auch irgendwann aber leider liess es sich auf der Autobahn nicht so einfach wenden. Hinweis für alle Jüngeren.Nein, Navis waren damals noch nicht erschwinglich und Karte bei dem Wetter konnte man auch vergessen. 

Nun hatten wir schon sehr viel Zeit verloren und wir würden wohl nicht vor der früh einbrechenden Dunkelheit ankommen. So war es denn auch. Nachdem wir auch noch zwei glimpfliche Stürze überstanden hatten, erreichten wir endlich Kongsvinger, wo uns Elisabeth empfing und wir uns aufwärmen konnten.

XT Savalen (2)

Nach ein paar Tagen Aufenthalt, ich hatte mir eine Magen-Darmgrippe eingefangen, wollten wir nun endlich die letzte Etappe in Angriff nehmen. Unser Ziel Savalen lag aber noch ca. 290km weiter nördlich. Bei einer Geschwindigkeit von ca.60km/h eine ganz schön lange Strecke. Aber der Schneefall hatte aufgehört und die Sonne schien für ein paar Stunden. Doch die Probleme wollten wohl mit uns weiterreisen. Während Arne mit seinem Boxermotor ständig warme Füsse hatte, waren bei mir durch die Stürze, der Schutz für die Füsse zerrissen und dadurch nicht mehr zu gebrauchen. Und auch bei den beheizbaren Handschuhen waren die Lötkontakte gebrochen. So das ich schon nach einigen Kilometern eiskalte Hände und Füsse hatte. Zur Not hatte ich Einwegheizkissen mitgenommen, die ich mir in die Schuhe und Handschuhe steckte. Leider war die Wärme nur von geringer Dauer. So nötigte ich Arne dazu, mit mir so ziemlich jede Tankstelle anzulaufen, um mich etwas aufzuwärmen, die auf unserem Weg lag.

XT Savalen (3)

Das Fahren mit Spikes ist etwas gewöhnungsbedürftig. Hat man sehr viele, fährt es sich super auf Schnee und Eis, aber schlechter auf den  Teerstrassen. Bei nur wenigen verhält es sich umgekehrt. Aber irgendwann kamen auch wir endlich an.

Die Organisatoren liessen sich einiges einfallen um uns zu unterhalten. Tägliche Ausfahrten durch die verschneite Landschaft, Wettrennen mit Schlitten, Abends bei Fackellicht und Glöckchengeläut im Schlitten sitzend von Rentieren  durch den Winterwald  ziehen lassen , Eisangeln im zugefrorenen See und als Höhepunkt, ein Grillabend mit mitgebrachtem Glühwein.

Einen Tag lang war sogar das norwegische Fernsehen vor Ort um über dieses Treffen und die ganzen verrückten Motorradfahrer zu berichten. Die meisten stammten zwar aus Deutschland und waren mit dem Gespann angereist aber ein mutiger Spanier war auch mit seiner Freundin hier und einem völlig abgeschottetem und beheiztem Beiboot. Sonst wäre sie vielleicht auch nicht mitgekommen. Desweiterem gab es noch einige Oldtimerbesitzer, die diese Strapaze, ihrer teilweise hochbetagten Schätzchen zutrauten.

Savalen

Mit dem Brenner das Motoröl erwärmen.

 

Bei Nachttemperaturen von -20° und Tagtemperaturen von ca. -10° sollte es nun allmählich wieder zurück gehen. Einige mussten einen Gasbrenner unter den Motorblock legen um das Motoröl wieder flüssig zu bekommen, andere hatten Schwierigkeiten mit der Batterie. So ging es auch für uns wieder zurück. Doch schon nach wenigen Kilometern tauchte dichter Bodennebel auf, der sofort auf meinem Visier gefror. Bisher hatte mein Uvex Boss 3000 immer gute Dienste geliefert. Aber bei diesen tiefen Temperaturen war war auch mit dem Doppelscheibenvisier schluss. Und so musste ich mit offenem Visier fahren. Natürlich gefroren auch auf den Wimpern die Eiskristalle sofort. Und nach ein paar weiteren Kilometern konnte ich kaum noch aus den Augen schauen da die Wimpern immer weiter zufroren. Selbst Arne hatte mit seinem beheiztem Visier arge Schwierigkeiten. Wie sollten wir in diesem Zustand  bloss wieder nach hause kommen? Aber das Glück war uns hold und die Sonne kämpfte sich allmählich durch den Nebel. Die Kristalle schmolzen von den Wimpern und wurden zu Eiswasser. Damit war das schlimmste überstanden und wir hatten im grossen und ganzen eine gute Rückfahrt nach Kongsvinger.

Bis auf ein kleines Problem, welches sich schon auf der Hinfahrt leicht bemerkbar gemacht hatte und sich nun, als es darum ging die Fähre rechtzeitig noch zu erreichen zu einem echten Problem auswuchs. Ich hatte öfter Zündaussetzer. Tippte dabei aber auf Feuchtigkeit im  Zündkerzenstecker -oder kabel. Auch Kondeswasser im Vergaser wollte ich durch ablassen von Benzin ausschliessen. Nun aber sprang sie gar nicht mehr an. Die Zeit rannte uns davon und der Termin für die Abfahrt der Fähre rückte immer näher. Was tun? Vielleicht war doch  Wasser im Vergaser und dies  war jetzt gefroren  und verstopfte die Düsen. Also schnell zum Tauen bringen. Nun hatte Arne im seinem weiteren Equipment einen mit einer Gaskartusche betriebenen Bunsenbrenner dabei. Diesen hielt ich vorsichtig für wenige Minuten  an den mit leichtentzündlichem Benzin gefülltem Vergaser. Und siehe da, nach zweimal kicken sprang sie an und wir erreichten spät aber noch  rechtzeitig die Fähre nach Hause.

 

Fazit: Dies war eines der härtesten Tripps die ich bisher gemacht habe. Und es ist noch viel mehr passiert als ich hier beschrieben habe. U.a. die kaputte Glühweinflasche die  Arnes gesamte Bekleidung durchtränkte oder der LKW der mir entgegenkam und ich es  in letzter Sekunde schaffte  die Spur zu wechseln. Obwohl dies nun schon etliche Jahre her ist werde ich das immer in Erinnerung behalten.

Wer nun auch Lust verspürt und es noch eine Nummer härter möchte. Für den gibt es die www.Fjordrally.de  Dieses Treffen findet auch in Norwegen statt ist aber nur für Solomaschinen. Ansonsten www.savalenrally.de    

Dieser Beitrag wurde unter Travel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*