Island

Endlich habe ich etwas Zeit um Euch von der Reise nach Island zu berichten. Unterwegs habe ich hauptsächlich mit dem Handy auf Facebook und Instagram gepostet. Da ich während der Tour keinen Laptop dabei hatte, nun eine kurze Zusammenfassung.

Um es kurz zu machen. Wer unbedingt einen billigen all-inclusive Urlaub will und im warmen Meer baden möchte, ist auf Island verkehrt.

Wer aber faszinierende Naturgewalten und einsame Gegenden liebt, wer gerne fotografiert oder mit seinem Offroadfahrzeug an die Grenzen gehen möchte, ist hier genau richtig.

Nachdem ich die Anreise durch Dänemark geschafft hatte und tags darauf auf der Fähre von Hirtshals nach Island war, hatte ich zwei Tage Zeit zu relaxen und die Sonne auf dem Schiffsdeck zu genießen. Die Überfahrt verlief ziemlich langweilig, mit anderen Worten, es war kein Seegang. Die winzigen aber teuren Minikabinen erinnerten mich an die Schlafkojen in einem U-boot.

Auf dem Schiff begegneten mir noch drei Süddeutsche, Georg, Stefan und Thomas, die etwas Pech bei der Anreise hatten, eine BMW blieb mit einem kapitalen Motorschaden liegen und nur durch die Hilfe eines Dänen, der Ihnen seine Honda für die Tour lieh, konnte die Reise fortgesetzt werden. Dadurch konnte auch der Traum, einmal noch nach Island, des ältesten Teilnehmers realisiert werden. Auch wenn für die Tour über die Insel nur noch eine Woche übrigblieb. Immerhin besser als gar nicht.

Die Ankunft in Seydisfjördur bei ca. 13°war schon etwas ernüchternd, da ich bei über 30° aus S-H losgefahren war. Laut Wetterprognose sollte es aber die kommenden Tage besser werden.

Leider war von Sonne und Wärme am ersten Tag meilenweit nichts zu sehen. Nieselregen und Kälte zogen in die Hände. Und ich war froh, doch noch Heizgriffe angeschlossen zu haben, auch wenn die Heizleistung nicht ganz so stark war wie ich sie mir erhoffte.

Aber am nächsten Tag kam die Sonne raus und es war gleich eine ganz andere Stimmung. Auch wenn Island bei schlechtem Wetter seinen ganz eigenen Reiz hat, wäre das gute zwei Wochen lang nichts für mich. Schließlich kenne ich das zur Genüge von zu Hause. 

So ging es aber nun Richtung Askja, einem erloschenem Vulkan. Bei der Anreise bekam ich schon einen Vorgeschmack von den Pisten. Weicher Tiefsand, scharfkantiges Vulkangestein, Geröllpisten und Wasserdurchfahrten wechselten sich ab. Schon nach wenigen Kilometern war ich glücklich, meine kleine aber leichte Suzuki zu haben. Mit einer großen BMW oder einem anderem Dickschiff wäre es sicherlich auch gegangen, aber spätestens in dem Tiefsand wäre ich ordentlich ins Schwitzen gekommen.

Etwas geschwitzt hätte ich dagegen gerne beim schlafen im Zelt. Die Temperaturen sanken hier im Hochland Richtung 0°. Rundherum lag überall noch frisch gefallener Neuschnee. Und das im August! Ich zog beim schlafen immer mehrere Schichten an. Denn der Schlafsack hatte seine Komforttemperatur bei höchstens 5°.

Am nächstem Tag ging es weiter nach Kverkfjöll um darauf nach Norden zum Wasserfall Dettifoss zu gelangen. Diesen wollte ich mir gerne ansehen, denn er hatte es im Hollywood Movie „ Prometheus“ in die Eingangsszene geschafft. Dort angekommen, hatte ich Mühe einen Parkplatz zu finden. Anscheinend war ich nicht der Einzige. Komisch 😉 

Ein weiterer Film, der wohl auch für den unglaublichen Ansturm von Touristen in den letzten Jahren sorgte, ist der Film „ Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“.

Touristen sind sowieso ein großes Thema hier auf Island. Mit einigen Isländern hatte ich Kontakt und war mit ihnen essen. Einerseits ist man froh über die Einnahmen, andererseits scheint dies alles sehr plötzlich zu kommen. Und natürlich auch die Probleme, die die Menschenmassen mit sich bringen. Auch sprechen viele Isländer in den Städten schon meistens englisch, da sehr viele Verkäufer oder Kellner aus dem Ausland kommen.

Aktuell leben auf Island ca. 330.000 Einwohner. Gleichzeitig sind die Touristenzahlen explodiert und liegen bei ca. 2 Millionen.

Ganz besonders ist mir dies aufgefallen auf einem Campingplatz im Süden in Vik. Dort war es abends in einem Aufenthalts- und Kochraum so voll, daß dort kein reinkommen mehr möglich war.

Nach ein paar Tagen traf ich an einer Tankstelle die Engländerin Helen Lloyd, (www.helenstakeon.com ) die ebenso wie ich, mit einem kleinerem Motorrad und wenig Gepäck unterwegs war.

Sie ist zweimal durch Afrika gefahren,einmal mit dem Fahrrad zu zweit und einmal alleine mit dem Motorrad. Außerdem im Winter !! zum Üben nach Norwegen und danach nach Sibirien mit dem Fahrrad. Schaut euch unbedingt die Bilder auf ihrer Website oder auf Flickr an.

Nach einem kurzem Kennenlernen, beschlossen wir zusammen ein Stück zu fahren. Gerade in schwierigem Terrain konnten wir uns so gegenseitig helfen.

Und so ging es denn von der vielbefahrenen Hauptstraße, dem „Golden Circle“ wieder ins Hochland, wo es schlagartig einsam um uns wurde. Und da es hier Anfang August erst sehr spät dunkel wird, konnten wir bis spät in die Nacht fahren. Erst ein Fluß, der uns dann doch etwas zu tief erschien, zwang uns zu einem nächtlichem Campingaufenthalt. Am nächstem Morgen war der Wasserstand etwas gefallen und wir konnten unsere Reise zum Kerlingarfjöll fortsetzen.

Menschen begegneten uns nur sehr wenige und von den ganzen großen Geländemotorrädern sahen wir gar keine. Dafür kam uns ein älteres Rentnerpärchen aus Australien entgegen die in einem 4WD mit Pinneberger Kennzeichen saßen. Oder auch zwei Dänen die mit einem gemietetem Hummer und einer Drohne unterwegs waren. Diese halfen auch, unser Gepäck, bei einer längeren Flussdurchfahrt, hinüberzubringen.

So hatten wir immer nette Begegnungen. Eine ganz besondere möchte ich nun erzählen.

Ein Halter für das Windschild war gebrochen und musste geschweißt werden. Glücklicherweise kannte Helen einen Isländer (Birger), der einen Freund hatte, der schweißen konnte. So weit, so gut. Ich nahm Kontakt mit Birger auf und ich sollte ihn zu hause antreffen. Birger hatte sich extra von der Arbeit losgesagt um mich zu seinem Kumpel zu bringen. Die Werkstatt machte von außen den Eindruck von einem kleinem Schrotthandel, drinnen entpuppte sich die Halle aber vom Feinsten. Dort entstand ein selbst entwickelter, komplett aus Aluminium geschweisster, Prototyp für 10 Personen. Dieser soll dann später für Touristenfahrten eingesetzt werden. Evtl. werden noch mehr für den saudischen Markt gebaut. Motorisierung soll zwischen 500 und 800 PS liegen.

Diesen hätte ich so nie gesehen, wenn nicht dieses kleine Teil kaputt gegangen wäre.

Genau diese Begegnungen sind es immer wieder, neben der Natur, die für mich den Reiz des Reisens ausmachen.

Natürlich habe ich mir auch die Geysire, Reykjavik und die Gletscher angesehen. Aber ich lasse jetzt lieber die Bilder sprechen. Falls ihr mehr wissen möchtet, schreibt mir gerne.

Hier noch ein paar Tipps für Island.

Bleibt unbedingt auf den gekennzeichneten Wegen. Die Isländer verstehen überhaupt keinen Spaß, wenn jemand im freiem Gelände und somit Offroad fährt! Es drohen sehr hohe Strafen und in den Nationalparks halten Hubschrauber Ausschau nach Offroadfahrern. Die normalen Tracks sind hart genug. Am besten vor Ort eine gute isländische Karte speziell vom Hochland besorgen.

Nimmt euren Müll bitte mit zur nächsten Mülltonne, hier bei den Temperaturen verrotten die Abfälle nur sehr langsam. Das gilt auch für das „ große Geschäft“. Nutzt die Toiletten!

Mit Schuhen den Raum betreten wird nicht geschätzt. Bitte vorher ausziehen.

Regeln in Schwimmbädern missachten. Dann sollte man sich nicht wundern, wenn man wieder gehen darf.

Über Walfang diskutieren. Das machen die Isländer auch, aber von Fremden lassen sie sich nicht so gerne etwas sagen.

Steinhügel bauen. Laßt die Steine einfach liegen.

Unbedingt die Wetterwarnungen beachten. Nebel, Orkanböen, Sandstürme sind kein Spaß. Erst recht nicht, wenn man ein Wohnmobil gemietet hat.

Sich völlig betrunken daneben benehmen, dies sollte man aber überall nicht machen, außer im eigenen Haus.

4 thoughts on “Island

  1. Hallo Hini,
    habe jetzt erst die Zeit gefunden diese Internetseite zu besuchen.

    Wollte Dir gerade eine Mail schreiben, die ging aber nicht ab, deshalb auf

    diese Weise ein erneuter Versuch.

    Es scheint so, dass Du ja auch wieder gut daheim angekommen bist mit sehr

    schönen Bildern und reichlichen Eindrücken von Island.

    Wir „Süddeutschen“ sind auch wieder gut angekommen, sogar Thomas „neuer“

    gebrauchter Motor (wurde aus Berlin versandt) kam noch rechtzeitig vor unserer Heimreise in Dänemark an und die Werkstatt schafft es, diesen
    in Rekordzeit einzubauen.
    Schön Dich auf der Fähre kennengelernt zu haben ! und jetzt etwas auf diese

    Weise von deiner restlichen Reise auf Island zu hören.

    Liebe Grüße aus Süddeutschland in den „hohen Norden“

    Georg , der mit der roten Transalp

    • Moin Georg,
      freut mich zu hören,dass Ihr wieder heil zu Hause angekommen seid. Auch das der Motor rechtzeitig eingebaut wurde klingt super. Auch wenn dies nicht so eine schöne Erfahrung war, so bleibt doch das Abenteuer und die Geschichte dazu, die man später seiner Familie und Freunden erzählen kann. So bleibt das Leben spannend und man lernt gleichzeitig dazu.

      Ich habe noch weitere interessante Menschen während der Tour getroffen. Und dabei im Hochland wunderschöne Landschaften gesehen.

      Nun ist auch hier im Norden der Herbst endgültig angekommen.

      Viele Grüße an die anderen Beiden

      Hini

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