Fischereihafenrennen 2014

Die Dritte

Zack, und schon ist wieder ein Jahr rum und ich nehme zum dritten Mal am FHR teil. Ich entscheide mich für den Stellplatz den ich 2012 hatte. Dort war es relativ ruhig und die Infrastruktur (Toiletten,Essen & Trinken) stimmte auch. Den Ablauf mit der Anmeldung , Fahrzeugabnahme usw. war auch klar. Das Wetter spielte  mit, evtl. sollte es Pfingstmontag abends ein wenig Nieselregen geben, laut Wetterbericht.  Es müsste  also nichts schiefgehen. Und ich konnte mich gelassen auf das Rennen konzentrieren. So dachte ich jedenfalls, es sollte anders kommen.

Dieses Jahr konnte ich mir den Transporter von Torsten ausleihen, mit dem wir auch das Jahr vorher in Rumänien zum Enduro fahren waren. Das machte doch einiges leichter. Ich konnte schneller fahren als mit dem Anhänger und auch mehr zuladen.

Torsten ( mitte)und Walter(rechts) ein erfahrener alter Rennfahrer,schauen bei der Abfahrt zu.

Torsten ( mitte)und Walter(rechts) ein erfahrener alter Rennfahrer,schauen bei der Abfahrt zu.

 

Nachdem ich den alten, leicht defekten aber noch funktionstüchtigen Pavillion von Louis aufgebaut hatte, konnte ich darunter das Werkzeug, die Stühle sowie tausend Kleinigkeiten an den richtigen Platz stellen. Mein direkter Nachbar ist der  bekannte Fritz Spenner. Nun musste ich nur noch ein paar Teile an der Hawk abbauen und zur Fahrzeugabnahme fahren. Danach würde ich den Abend mit  einem! kühlen Bier ausklingen lassen.

Also schnell zur Abnahme, da ich nach dem Rennen im letzten Jahr nur noch zweimal in Padborg /DK zum Renntraining war sollten dort keine grösseren Schwierigkeiten auftreten, zumal die Abnahme letztes Jahr eher  moderat war. Aber was war das, der nette Herr von der Abnahme rüttelte einmal, zweimal am Hinterrad und ich wurde leichenblass. Ich wusste sofort Bescheid, das Hinterradlager hatte Spiel. Seine Aussage, „das wackelt hier“ bestätigte dies nur noch. Scheisse, wieso habe ich das nicht noch kontrolliert. Beim Fahren viel mir nichts auf und die letzte Tour  war auch schon etwas länger her.

Er meinte, ich hätte ja noch ein paar Stunden und könne später mit dem reparierten Lager wiederkommen. Aber wo zum Kuckuck sollte ich am Wochenende in Bremerhafen ein Hinterradlager für eine Einarmschwinge herkriegen, dies  war völlig aussichtslos. Die Maße  waren Spezialgrössen und nur per Sonderbestellung zu bekommen. Nun gab es zwei Möglichkeiten, entweder das Lager etwas nachziehen und hoffen das es reicht oder reichlich Fett reinpressen. Mit dem ersten hatte ich keinen  so grossen Erfolg, also musste ich hoffen das das Fett  Abhilfe schaffen würde. Wenn nicht, konnte ich gleich wieder nach Hause fahren, das war mir sonnenklar. Nach dem schrecklichen Unfall im vergangenen Jahr würden die Prüfer keine Ausnahme mehr machen.

Glücklicherweise tat das Fett was ich mir erhoffte. Es hatte zwar immer noch minimal Spiel, aber längst nicht soviel wie vorher. Ich versprach mir selbst, sollte ich teilnehmen dürfen, würde ich als erstes zu Hause ein neues Hinterradlager bestellen. Das wird mir garantiert kein zweites mal passieren. Wie konnte dies auch nach 110000km und 23 Jahren schon kaputt gehen.

Also mit klopfendem Herzen zur Wiedervorführung. Der erste Prüfer war mit einem Gespann beschäftigt und nahm keine Notiz von mir so das sein Kollege die Aufgabe hatte. Würde er darauf achten und mich nicht starten lassen? Nichts von alledem, Ruckzuck bekam ich den heissersehnten Aufkleber und im Nu war ich wieder verschwunden. Ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem, schliesslich ist mit einem ausgeschlagenem Hinterradlager nicht zu spassen. Aber ich wusste nun Bescheid und würde bei den ersten Anzeichen sofort aufhören.

fischereihafenrennen 2012 stefi tom 233

 

Pfingstsonntag! Das freie Training und die beiden Renntrainings lagen an. Im freien Training wolte ich dem Lager auf den Zahn fühlen und mich wieder an die Strecke gewöhnen. Bei den Renntraining hatte ich mir eine andere Taktik zurechtgelegt. Statt wie bisher mich weit zurückfallen zu lassen um die Strecke für mich zu haben, würde ich mich an die Spitze heften um mich mitziehen zu lassen. Und so gelang es auch, allerdings nur zwei Runden lang, danach musste ich die Meute ziehen lassen. Aber es sollte sich auszahlen.

2013 hatte ich im Rennen den Platz 23 errungen. Wie sollte wohl das Renntraining ausfallen? Es sollte der Startplatz 20 werden. Wahnsinn, und das Rennen stand morgen erst noch bevor.

Pfingstmontag! Rennen! Vor mir in der Startaufstellung waren  nur Rennmotorräder mit wesentlich mehr PS. Nur der Fritz Spenner hatte von Suzuki eine nagelneue original SV650 Gladius bekommen, zwar auch mit  Rennreifen bestückt und ich glaube auch anderem Fahrwerk, aber der Motor hatte die orignal 72 PS.

Da sich das Hinterradlager nicht bemerkbar machte, wollte ich diesesmal alles geben um zu sehen was so möglich ist. In den vergangenen Jahren hatte ich bei einigen Kurven Probleme mit einen zu langen Übersetzung, so dass ich dieses Jahr den Kettensatz etwas kürzer hielt. Das Ampelsignal, welches letztes Jahr natürlich in dieser Klasse defekt war und durch ein schlecht zusehendes Flaggensignal abgelöst wurde, funktionierte auch einwandfrei. Der Start klappte sehr gut und die ersten Runden liefen einwandfrei. Aber ich ging absolut an meine Grenze und dadurch passierten mir zwei Fehler. Der erste passierte  nach gut dreiviertel des Rennes in der „Kaikurve“. Dazu muss man wissen das die“ Kaikurve“ eine 90° Kurve ist. Man kommt mit Vollgas von einer langen Gerade angeschossen, bremst maximal ab um nach der “ Kaikurve“ wieder auf eine lange Gerade rauszubeschleunigen. Da heisst es Geschwindigkeit mitzunehmen, gerade wenn man nicht soviel PS hat. Die Linie muss auch genau stimmen. Unter anderem darf  man sich  nicht zu weit raustragen lassen weil dort in der Außenkurve die Regenablaufrinnen sind und nicht gerade für Ruhe im Fahrwerk sorgen. Um es  freundlich auszudrücken.

Und genau dort im Scheitelpunkt gab ich zu früh Gas und rutschte fast weg, glücklicherweise fang sich die Maschine wieder und ich konnte weiter fahren.Puuh, Schwein gehabt!

hini1

FBG-KURVE

Das zweite nicht so schöne Erlebniss passierte in der “ Lunedeich-Kurve“. Einer nicht so schnellen Rechtskurve. Um auch hier ein paar Zehntelsekunden rauszuholen schnitt ich die Kurve etwas zu früh und bekam dabei durch einen Stohballen einen heftigen Schlag gegen den Ellenbogen. Aber lieber der Ellenbogen als mit dem Bremshebel hängenbleiben. Wenn dies passiert wäre, wäre ein Sturz wohl unvermeidlich gewesen.

Das Rennen ging zu Ende und ich war schon ganz schön fertig. Nun wollte ich wissen ob es sich gelohnt hatte soviel zu riskieren. Mehr war nun wirklich nicht drin,mit meiner kleinen inzwischen in die Jahre gekommenen Hawk. Jedenfalls nicht ohne mehr Motorleistung.

 

ohne Kommentar

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20 min. fahren und völlig kaputt, aber glücklich.

20 min. fahren und völlig kaputt, aber glücklich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PLATZ 13       war der verdiente Lohn. Und dabei auch noch die drittschnellste Runde gefahren. Mit dieser Leistung war ich mehr als zufrieden.

Zu Sagen bleibt nur noch dass das zweite Rennen wesentlich später anfing und dann wegen starker Regenschauer abgebrochen wurde.

Fazit:

FHR 2012, Platz 43/ FHR 2013, Platz 16/ FHR 2014, Platz 13

Die Atmosphäre hier ist einmalig und jeder der ein bisschen Benzin im Blut hat sollte sich das Spektakel ansehen. Mehr Rennsport geht nicht und dichter ran auch kommt man auch kaum. 10 Klassen verschiedenster Motorräder auf normalen Strassen. Viele nennen das Fischereihafenrennen auch die „kleine deutsche Isle of Man “ Für mich ist es nur der reinste Wahnsinn;-)

 

 

 

 

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