Fast Irland

Nachdem ich mich endlich dazu entschlossen hatte, an Irlands Westküste zu fahren und ich auch meine Ausrüstung* komplettiert und angebaut hatte, machte ich mich auf den Weg nach Dünkirchen, wo die Fähre Richtung Dover ablegte. Dort wollte ich mich, dem TET „Trans Euro Trail“ folgend, nach Irland vorarbeiten. Der TET ist eine Ansammlung von schönen kleinen Straßen mit hohem Anteil an unbefestigten Wegen. Diese basieren vorwiegend auf Angaben von Motorradfahren vor Ort, die dies freiwillig leisten. Die Straßen sind legal zu befahren, jedoch teilweise mit Einschränkungen, die selbstverständlich beachtet werden sollten.

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Vorher aber hatte ich noch eine Begegnung auf der Fähre Glücksstadt – Wischhafen. Dort  kam ich mit einem anderem Motorradfahrer ins Gespräch, der eine sehr interessante Biografie hat.

Mit indischen Wurzeln und dem dazu passenden Nachnamen Khan, kam Khan gerade von einem Besuch seiner Mutter zum Muttertag und ihrem 89. Geburtstag aus Schleswig-Holstein zurück. Er befand sich auf dem Weg nach Düsseldorf, wo er zur Zeit wohnt. Lebte aber vorher in Köln wo er auch mal bei Detlev Louis als Filialleiter gearbeitet hatte. Aufgewachsen ist er aber in London und somit eigentlich auch Engländer. Den leichten Akzent hört man noch ein wenig. Dies bekam wohl auch ein anderen Passagier mit, der mit dem Fahrrad neben unseren Moppeds stand. Jener war ebenfalls aus Großbritannien, genauer gesagt aus Schottland stammend, nach Deutschland gekommen. Obgleich Schotte, mochte er keinen Whisky oder heißt es Whiskey? Ich verwechsle das ständig. Ich hatte ein wenig das Gefühl,er würde sich dafür entschuldigen müssen.

Jedenfalls unterhielten sich die Beiden auf englisch und am Anfang bekam ich auch noch fast alles mit, aber als die Unterhaltung immer mehr in einen Slang hinüberglitt, mußte ich passen.

Dafür konnte ich mit dem englischen Begriff, dem Kahn nicht mehr einfiel, für Stau aushelfen. Der berühmt berüchtigte Trafficjam. Wenn das meine Englischlehrerin wüßte.

Ich finde es immer wieder spannend, welche verschiedene Lebenswege es gibt und wie das Leben mach mal so spielt.

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In Dover aus der Fähre entlassen, ging es gleich los und ich merkte schnell, daß ich bei diesen kleinen Straßen, wo kaum ein Auto durchpasst, es in der kurzen Zeit, nicht rechtzeitig schaffen würde alles zu sehen. Teilweise waren es Schotterwege oder Single Roads, dann führte mich das Navi  direkt von der Straße ins Gebüsch, wo es sofort sehr ruppig wurde. Dabei passierte es und ich rutschte übers Vorderrad weg. Nichts schlimmes, aber leider war die Satteltasche an der Aufnahme gebrochen. Die Bruchstelle hatte ich bei der ersten Sichtung beim Auspacken des Paketes schon als Schwachstelle ausgemacht. Sie war auch eher für Fahrradfahrer gedacht und nicht für Stürze mit dem Motorrad. Glücklicherweise hatte ich ausreichend Kabelbinder auch Kabelbaumbündelband (laut Google, vorher noch nie gehört) dabei. Ein Hoch auf, George M. Rapata, dem Erfinder dieser kleinen vielseitig nutzbaren Plastikteile. Auch für „Fifty Shades of Grey“ zu gebrauchen. Aber daran dachte Herr Rapata sicherlich nicht.

Jedenfalls konnte es für mich weitergehen.

An einer ruhigen Stelle mit schöner Wasserdurchfahrt, wollte ich nun auch meine neu erworbene Drohne ausprobieren. Und bis auf einen kleinen Absturz ins Gebüsch der ohne Folgen blieb, hat auch alles relativ gut geklappt. Da die Akkuleistung recht begrenzt ist, darf man sich nicht allzu viel Zeit beim Filmen lassen. Bin selbst gespannt wie das Video fertig geschnitten aussieht. Ihr seid mit die Ersten, die es dann sehen dürfen. Die bisherigen Eindrücke sind vielversprechend.

So vergingen denn einige Tage mit den drei F. Fahren, Filmen und Fotografieren. Aber ich mußte auch wieder zurück und entschied mich bei der Rücktour für die Fähre von Harwich nach Holland. Dabei mußte ich an London vorbei, und konnte somit die Gelegenheit nutzen, dem unter Motorradfahrern bekanntem Ace Cafe, einen Besuch abzustatten.

Normalerweise ein Horrortrip bei dem dortigen Verkehr. Aber es kamen mir zwei Menschen zu Hilfe, die genau an diesem Tage, einem Pfingstsamstag, heiraten wollten, und zufällig wollten dies  auch viele Engländer am Fernseher mitverfolgen. Ihr wisst sicherlich schon von wem ich rede. Prinz Harry und seine bezaubernde Meghan. Somit sollte sich der Stau dort in Grenzen halten. Dankeschön an das Brautpaar, daß ihr an mich gedacht  und eure Feier extra so gelegt habt.

Nach einigem Suchen fand ich das „Ace“ endlich, es war zwar zu der Uhrzeit nicht ganz so gut besucht. Aber ich solle doch am nächstem Tag wiederkommen, dann würde dort wesentlich mehr los sein, meinten einige Umstehende. Und da es schon sehr spät wurde, buchte ich mir ein Zimmer in London. Relativ zentral gelegen kam ich in einem Hostel für 39,- Pfund unter. Nachdem was ich erkennen konnte, war ich wohl der zweitälteste Gast dort. Sehr günstig zwar, dafür aber in einem gemischtem 10 Bettzimmer. Schnell noch die ganzen Klamotten verstauen, dann ging es in einen vollen Pub. Neben sehr freizügigen Damen, die im feinen Kleid die Hochzeit feierten, kamen noch Fußballfans vom nahegelegenem Bahnhof hinzu. Die Stimmung stieg und die Security hatte alle Hände voll zu tun. Anscheinend durfte man dort nicht singen und auf dem Tisch klopfen. Sobald einer begann ein Lied anzustimmen, schritten die beiden kräftigen Herren ein. Wer die englischen Fußballfans kennt, weiß ich meine! Jedenfalls war dort ordentlich Stimmung.

Am Sonntag wollte ich vor dem „Ace“ noch in die „British Library„ dort sollte eine Ausstellung über James Cook und seine Reisen um die Welt gezeigt werden. Und da ich ihm schon in Australien, wo er Schiffbruch erlitt im Geiste näher kam, einige erinnern sich vielleicht, war die Gelegenheit günstig.

Ich wäre bestimmt der einzige Verrückte, der bei bestem Wetter an einem Pfingstsonntag, in die lichtgedimmte Bibliothek oder ins Museum geht, dachte ich. Denkste! Obwohl ich schon eine halbe Stunde vor dem Eingang wartete, wurde die Schlange immer länger. Ca. 200 Leute warteten dort, wie es sich für Engländer gehört, anständig ohne zu drängeln. Aber die meist jungen Leute, anscheinend alles Studenten, waren zum Studieren und Lernen hier. Und wegen des kostenlosen W-lans. In der Ausstellung war es daher nicht so voll.

Aber interessant fand ich sie schon, besonders das brutale Ende von James Cook, der auf Hawaii von einer aufgebrachten Meute umgebracht wurde. Auch kritische Stimmen zu der sogenannten Entdeckung /Eroberung Australiens kamen dort zu Wort.

Auch wenn für viele Menschen Museen und Bibliotheken ein Graus sind, so kann ich dort Stunden verbringen und in eine andere Welt abtauchen und mich in die Menschen aus vergangenen Zeiten oder Kulturen hinein versetzen.

Zwei Stunden später, geistig noch auf dem Schiff in der Antarktis, blendete mich das Sonnenlicht und ich war wieder in einer anderen Kultur gelandet. Die der Motorradfahrer. Jetzt war auf dem Parkplatz am Ace Cafe kaum noch ein Platz zu bekommen. Dort lernte ich Carlos kennen, er stammt ursprünglich aus Portugal und wohnt schon seit etlichen Jahren hier in London. Ein feiner Kerl.

Ich mußte aber weiter, da der Urlaub langsam dem Ende zuging. Denn die Fähre in Harwich wartet sicherlich nicht auf mich. So bleibt mir nichts anderes übrig als Irland zu einem anderem Zeitpunkt zu besuchen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

 

 

* Die Ausrüstung und der Umbau wird demnächst näher beschrieben.

 

 

 

 

 

 

 

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